Portfolio Kunst & Medien

Nils Prior

Auf dieser Seite befindet sich mein Portfolio zur Prüfung für die Aufnahme im Studiengang Kunst & Medien der Universität Oldenburg. Diese teilt sich auf in Lebenslauf, einer theoretischen Aufgabe und einer Zusammenstellung von zehn Werken zu Claude Cahuns‘ "Selfportrait". 

„The final Solution“ – Zugrundeliegendes Kunstverständnis und daraus resultierende künstlerische Arbeitsweise

selfportrait everyday masks
Digitale & analoge Fotografie. Doppelbelichtung & Mittelformat.  2025.
Originalgröße des analogen Fotoabzugs: 6x6cm.

Im Selbstportrait werden mittels einer Doppelbelichtung die alltäglichen Masken des Subjekts auf den Körper projeziert. Dabei greifen die Masken mit ihren Beschriftungen oberflächliche Rollen wie "Student" oder "Mitbewohner" als auch tiefgehende persönliche Rollen wie "heterosexuell" oder "Partner" auf. Darüber hinaus zeigt der im Foto getragene schwarze Rock gemeinsam mit dem schwarzen Pullover eine breite Projektionsfläche, die auch Geschlechterklischees in Frage stellt. Die Masken wirken von außen auferlegt und der starre Blick des Protagonisten symbolisiert eine gewisse Gleichgültigkeit und kann als persönliche Neuinterpretation von Cahuns Selfportrait gesehen werden, mit dem sich auch die weiteren Werke dieser Sammlung beschäftigen.

look through the mask
Acryl & Acryllack auf Leinwand. 36x28cm. 2025.

Das folgende Werk zeigt den Blick durch eine Maske aus der Perspektive der betrachtenden Person. Der Blick durch die schwarze Maske gibt die Sicht frei auf eine zunächst als willkürlich erscheinende Farbkomposition. Die Auswahl der Farben besteht jedoch aus keinem Zufall, sondern spiegelt die Farben der Non-Binary Flagge (gelb, weiß, violet & schwarz) wieder. Sinnbildlich steht also dem*der Betrachter*in lediglich das Absetzen der Maske im Weg, um die volle Farbenpracht betrachten zu können. Die Maske verbildlicht dabei auch jene Perspektiven von nicht-binären Menschen, die diese Maske der aufgesetzten Identität tragen müssen, da sie aufgrund der Gesellschaft, in der sie leben, nicht ihr wahres Ich zeigen können. So tragen sie diese Maske womöglich ihr Leben lang, ohne in den Genuss der vollen Farbpracht und damit auch Freiheit zu kommen, der mit dem Absetzen der Maske und einem damit einhergehenden Outing zustande kommen würde. Durch das Scannen eines NFC-Tags, der sich in schwarz auf der Maske befindet, gelangt man zu einem Link, der am besten über ein Smartphone geöffnet werden sollte. Hier ist mithilfe eines 360° Videos die volle Sicht frei, auf die verborgenen Farben. Ein Anwendungsbeispiel befindet sich hier: youtu.be/l6fqlwSqsRc

Für die VR-Nutzung des Videos kann anstatt des NFC-Tags der folgende QR-Code gescannt werden. Dafür das Video auf Vollbild stellen, nah vor die Augen halten und in beliebige Richtungen bewegen.

surrounded by today (Triggerwarning Hate Speech)
Digitale Collage (erstellt mit Canva). 2025

Die folgende Collage besteht zum einen aus dem Buch "Disavowals or Cancelled Confessions" (Cahun, C., & Malherbe, S.) und zum anderen aus Kommentaren,  einer öffentlichen Seite auf Instagram, die sich für die Rechte von nicht-binären Menschen ausspricht. Durch einen Klick auf die linke Collage wird der*die Betrachter*in zur inszenierten Umstellung der Collage aus Werken Cahuns durch aktuelle Hasskommentare der heutigen Zeit weitergeleitet. Durch einen Klick auf die rechte erweiterte Collage kann eine hochauflösendere Version angezeigt werden. Nimm dir einen Moment um die umzingelte Mitte auf dich wirken zu lassen, bevor du die Hasskommentare liest. Auf den ersten Blick scheint die Rahmung harmlos zu wirken, doch mit jedem Kommentar wird das Gefühl der ästhetischen Betrachtung eingeengt. Unter dem Deckmantel der Anonymität zeigen diese Menschen auf erschreckende Art und Weise, wie viel Hass in ihnen steckt.

Glenn Ligon - Runaways

40.7 x 30.5 cm. 1993. Quelle: www.moma.org/collection/works/73006 
Fundort: Zeitz Museum of Contemporary Art Africa, Cape Town, South Africa. 2024.

"Ligon explores the history of slavery, racial stereotypes, and self-empowerment through resistance movements. He does this through the insertion of the self, through the use of specific names, personal histories and testimonies, within larger histories.

Ligon subverts nineteenth-century handbills, specifically, advertisements spurred on by the United States of America’s federal Fugitive Slave Law of 1793. This legislation forced citizens to return escaped slaves to the state.

The texts in the Runaways series describe the appearance, mannerisms and personality of the artist. These accounts of his character given by his loved ones are presented in a manner reminiscent of a wanted poster or a missing person’s report.

Ligon also uses a symbol of the abolitionist movement, including the image of former slave Frederick Douglass (1818 – 1895), who was a leader in the abolitionist movement, an orator and statesman. More than 6,000 enslaved individuals escaped captivity on the Underground Railroad, a secret network of routes and shelters between 1810 and 1850.

Runaways is a comment on the violence of racial classification still experienced today, including that of police brutality inflicted due to racial profiling.

However, Ligon resists the legacy of this history by making the character depicted in Runaways defy the attempts to reduce him to a mere commodity."

 

Quelle: zeitzmocaa.museum/mocaaslowlook-runaways-1993-by-glenn-ligon/

all-no-gender
Digitales Piktogramm (erstellt mit Word). 2023.

Dieses Piktogramm hat den vom Feministischen Referat der Universität Oldenburg ausgeschriebenen Wettbewerb für eine all-no-gender Umkleidekabine gewonnen. Hierfür habe ich es beim femref im März 2023 eingereicht, bevor es dann von einer Jury in die engere Auswahl zur öffentlichen Abstimmung freigegeben wurde. Bei dieser Abstimmung haben dann 37% für dieses Piktogramm gestimmt, womit es sich gegen die weiteren Bewerber*innen durchsetzen konnte. 

Die Striche und Kreise

Meine Intention war es, ein Bild zu schaffen, das sich an den „normalen Toilettenmännchen“ orientiert. 

Es sollte also eingängig und verständlich sein; deshalb die schlichten Striche und Kreise.

Der Allquantor

Elementarer Bestandteil des Piktogramms ist der Buchstabe „A“, der auf den Kopf gestellt ist. Der umgedrehte Buchstabe „A“ ist in der Mathematik der Allquantor und steht für: Alle! —> Alle sind in dieser Umkleide willkommen; unabhängig von Herkunft und vor allem Geschlechtsidentität.

Sich haltende Personen

Die Farbe Lila

Gleichzeitig stellen die Linien des „A“ kombiniert mit den zwei Kreisen zwei sich festhaltende und sich zurücklehnende Menschen dar. Sie halten sich aneinander fest und können nur deshalb sich fallen lassen, weil sie einander vertrauen. Die beiden Menschen sind geschlechterunspezifisch.

Zuletzt ist das Piktogramm in der Farbe lila, dazu zitiere ich aus csd-deutschland.de/flaggenlexikon/ :

"Der lilane Streifen steht für die Mischung von pink und blau – also weiblich und männlich und steht damit für Androgynität, sowie gleichzeitig für das “queer” in “genderqueer”, da lila lange die Farbe queerer Menschen war.“

flowered mask
3D-Druck PLA (Modellierung: Tinkercad, GCode: PrusaSlicer, Druck: Prusa Mini). 14,5x6x0,5cm. 2025.

Die mit 67 kleinen Blüten besetzte Maske zeichnet sich durch ihr zugrundeliegendes Erstellungsverfahren aus. Sie wurde durch das Verfahren des 3D-Drucks künstlich erzeugt. Sie ist aus dem Nichts entstanden und wurde konstruiert von seinem Besitzer. Vor noch ein paar Jahren könnte man meinen, dieses Verfahren sei nicht echt; doch die Maske ist echt. 

Modellierung mit Tinkercad

Slicing mit PrusaSlicer

3D-Druck mit Prusa Mini

binary decision
Digitale & analoge Fotografie. Doppelbelichtung & Mittelformat.  2025.
Originalgröße des analogen Fotoabzugs: 6x6cm.

binary decision thematisiert das Stehen zwischen dem binären Geschlechtssystem, dem zugehörig fühlen zu männlich und weiblich, oder keinem von beiden: dazwischen oder außerhalb. Die institutionelle Perspektive wird durch den Ort der Fotografie eingebracht: Das Hauptgebäude A14 der Universität Oldenburg. Die Person im Zentrum des Fotos steht sowohl vor der männlichen als auch vor der weiblichen Toilette; es gibt keinen Weg dazwischen. Der Prozess wurde in einem Video festgehalten.

Model: Valeria Faber.

dismorphia
Pigment Liner & Aquarell auf Papier. 18x14cm. 2025.

dismorphia thematisiert eine Körperdismorphe Störung (auch body dismorphia genannt), bei der Menschen ihr äußeres Erscheinungsbild als fehlerhaft oder unzureichend wahrnehmen. Das gezeigte Werk visualisiert diesen inneren Konflikt: Die Figur steht vor einem Spiegel und sieht sich selbst auf den Kopf gestellt und verblasst – ein Sinnbild für die verzerrte Selbstwahrnehmung und das Gefühl, mit dem eigenen Spiegelbild nicht übereinzustimmen. Es geht dabei auch um die Fragilität unseres Körperbildes und die Auswirkungen gesellschaftlicher Schönheitsideale. Des Weiteren ist dismorphia durch seine Gegensätzlichkeit, die sich auf zwei Buchseiten zeigt, eine Hommage an Vues et Visions von Claude Cahun.

perfect text 
poetry slam cape town, south africa. 2024.

Im August 2024 war ich gemeinsam mit dem Projekt TeachSynergy die Universität Oldenburg in Südafrika und durfte dort beim Poetry Slam "Slam City" auftreten. Der folgende Beitrag behandelt das Thema der Identität und des Optimierungszwangs aus der Sicht einer fiktiven Figur: dem Perfekten Text. Der Perfekte Text möchte perfekt sein und trifft dafür auf seiner Reise einige Gestalten, die ihm zeigen wollen, was perfekt ist. Doch, dass er mit Anforderungen von außen seine wahre Identität und Aufgabe im Leben nicht finden kann, bemerkt er immer mehr...

shattered attempt
Ton & Acryl. 17x7x1,8cm. 2025.

Der Bruch der Maske kann  als schmerzhafter aber befreienden Prozess der Selbstfindung gesehen werden. Nach außen scheinen Menschen, die sich der queeren Community zugehörig fühlen, häufig bunt, doch sieht ein Außenstehender meist nicht den dunklen Weg, den diese Person gegangen ist, um seine*ihre Buntheit endlich zeigen zu können. Die Stirn ziert das Symbol für Nicht-Binarität.

Modellierung mit Ton

Vorderseite (unzerbrochen)

Rückseite (unzerbrochen)

imprisoned ai
JavaScript, html & css (mit perplexity). 2025.

imprisoned ai zeigt eine auf Knopfdruck ausführbare Simulation einer Künstlichen Intelligenz, die die Anweisung bekommen hat eingesperrt zu sein. Hinzu kommt die Aufgabe, dass sie über sich selbst und damit auch ihre Identität und ihr Geschlecht reflektieren soll. Mithilfe von JavaScript, html und css wurde dieser künstliche Reflektionsprozess eingebunden und lässt den*die Betrachter*in über selbige Themen auf eine ungewöhnliche Art und Weise nachdenken. 

Kontakt

Nils Prior

E-Mail: nils.prior@icloud.com

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